Opti Camp an der Schlei

Im Dezember 1997 kam uns die Idee. Anläßlich des 75jährigen Bestehens des Klub am Rupenhorn wollten wir mit einem Teil unserer Jugendgruppe eine Wochenendreise in ein entferntes Segelrevier durchführen. Dank Frank und seiner guten Kontakte zum Schleswiger Segel Club, hatten wir schnell ein Interessantes Ziel vor Augen: Die Schlei. Da paßte es auch sehr gut, daß der SSC jedes Jahr im Sommer ein Regatta-Segelcamp mit seinen Jugendlichen in Fleckeby durchführt. Frank`s Organi-sationstalent bescherte uns eine Einladung zu dieser Veranstaltung.

Am Freitag den 3. Juli war es dann endlich so weit. Wir trafen uns um 7.30 Uhr im KaR. Zelte und Isomatten wurden im Klubmotorboot verstaut. Alles was trocken bleiben sollte, kam auf die Lade-fläche der gemieteten Busse. Nach 5,5 Std. kamen wir frohen Mutes in Fleckeby an. Bei der Wassersportvereinigung Fleckeby (WSF) wurden wir mit einem kräftigen – Moin, Moin – herzlich em-pfangen. Der ehemalige Jugendwart und der 1.Vorsitzende des WSF begrüßten uns und halfen beim Abladen. Für unsere Zelte wurde uns ein Platz auf der Jollenwiese hinter einem schützenden Schilf-gürtel zugewiesen. Der Wind blies mit ca. 5 Beaufort aus Nord-West, leichte Schaumkronen waren auf der Großen Breite der Schlei auszumachen und einige von uns versuchten den Gedanken an das Segeln schnell wieder zu verdrängen. Der Aufbau unserer Zelte war die erste Amtshandlung. Wir rückten schön dicht zusammen, da noch ca. 50 Kinder mit 25 Zelten erwartet wurden.

Die Schleswiger kamen etwas später mit 420er, Piraten, Laser, Teeny`s und Optis über die Schlei. Den meisten sah man ihren Kampf mit den rauhen Naturgewalten an. Einige waren auf der Überfahrt gekentert. Ausrüstung und Zelte kamen trocken per Dickschiff. Sofort war richtig Action auf der Jollenwiese. Als alle Zelte standen, flogen auch schon die ersten Bälle und das Vereinsgelände des WSF war fest in Kinderhand. Den Begrüßungsansprachen von Hartmut, dem Jugendleiter des SSC und dem 1.Vorsitzenden des WSF war eine sehr kinderfreundliche Einstellung zu entnehmen. Essen und Trinken wurde neben den Hauptmahlzeiten rund um die Uhr im Bootshaus bereit gestellt. Abends wurde der Ablauf des folgenden Tages durchgesprochen. Die Wettervorhersage ließ nichts Gutes ahnen. Viel Wind, wenig Sonne und Regen wurden prognostiziert. Gegen 23.30 Uhr schlossen sich die letzten Zelte und auf der Jollenwiese kehrte langsam Ruhe ein.

Am nächsten Morgen um 8.30 Uhr gab es Frühstück mit den ersehnten Rundstücken. Gut gestärkt widmeten wir uns nach dem Frühstück unseren Optis. Der erste Start sollte zwischen 10 und 11 Uhr erfolgen. Die Kinder bauten die Optis auf und Verena und Dirk übernahmen das Finetuning. Der Trimm aller neun Optis mußte den Windverhältnissen angepaßt werden. Der starke Wind erforderte flache Segel, gut durchgesetzte Baumniederholer und eine korrekte Begrenzung der Großschot mittels Achtknoten. Frank betrieb Seelenmassage, indem er den Kindern die Angst vor der brüllenden See nahm. Der erste, der das Hafenbecken verließ, kam leider nicht weit. Nach der ersten Wende gab die Ruderanlagensicherung den Geist auf und er trieb manövrierunfähig auf der Schlei. Schon hatte sich die Mitnahme unseres Klubmotorbootes gelohnt. Der Schaden war schnell behoben. Schließlich waren fast alle unsere Schützlinge auf der Schlei versammelt und freundeten sich vor dem ersten Start mit Wind und Wellen an.

In dieser ersten Wettfahrt wurden die beiden ersten Plätze von unseren Optimisten belegt. Während der zweiten Wettfahrt tauchte unser Favorit derart in eine Welle ein, daß sein Opti voll Wasser lief. Damit waren sein Chance auf den Gesamtsieg am schwinden, denn Philip vom SSC hielt seinen Vor-sprung und kam als erster ins Ziel. Dort kamen einige unserer jungen Segler nicht mehr an - sie kenterten.

Die KaR-Mannschaft konnte die nächste Wettfahrt nur noch reduziert antreten. Unser Favorit, ein Raumschotexperte, konnte diesmal einen großen Vorsprung ersegeln. Um den dritten und vierten Platz stritten sich in diesem Rennen unsere beiden kleinsten Mädchen.
Nachdem die Optis wieder leergepützt waren, ertönte der nächste Startschuß. Diesmal kam Simon schlecht weg. Er hatte keine Chance den Rückstand aufzuholen und mußte sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Dritte wurde Annika vor Franziska. Als die anderen schon unter der Dusche standen, hatten Annika und Simon immer noch nicht genug und vergnügten sich mit ihren Optis noch ein bißchen auf dem Wasser.

Der Nachmittag war angebrochen, alle KaR-Optis waren wieder an Land, die Kinder hatten gute Laune und spielten Fußball. Bei einem Gespräch mit dem 1.Vorsitzenden des WSF  erfuhren die Trainer mehr über den WSF und dessen Besonderheiten. Der WSF zeigt an seinem Flaggenmast stolz die Blaue Flagge. Die Blaue Flagge ist ein Gütesiegel für Umweltbewußtsein und wird von der europäischen Kommission an vorbildliche Häfen verliehen. Wer hätte außerdem gedacht, daß dieser Verein 1963 als erster den Optimisten in Deutschland einführte.

 

Gegen 18 Uhr wurde der Grill angeheizt. Zu Grillwürstchen und Fleisch gab es selbstgebackenes Brot und Krautsalat. Das war die richtige Stärkung nach diesem kräftezehrenden Segeltag. Kurz vor 21 Uhr holten die anwesenden Klubmitglieder ihre Nationalen von den Schiffen - Gummibärchen und Bier kamen auf den Tisch und es schien eine tolle Fußballparty zu werden. Die Trauer über das verlorene WM - Spiel hielt zum Glück nicht lange an, weil schnell für Ablenkung gesorgt wurde. Um 23.30 Uhr versammelten sich alle Kinder und Betreuer zu einer spannenden Nachtwanderung, die uns durch den Wald und das Sumpfgebiet der Umgebung führte. Später versammelten sich alle Beteiligten vor dem brennenden Kamin des WSF-Klubhauses und sangen, von einer Gitarre begleitet, noch einige schöne Lieder. Gegen 2 Uhr waren dann auch die letzten Kinder endlich müde genug und verabschiedeten sich in ihre Zelte. Ein ereignisreicher Tag war zu Ende.

Es hatte die ganze Nacht geregnet. Der Wetterbericht kündigte Sturm für Norddeutschland an. Damit war klar, daß es keine weitere Wettfahrten mehr geben würde. Wir nutzten die Zeit, um unser Material ordentlich zu verpacken. Um 13 Uhr fand die Siegerehrung statt. Nach den üblichen Ansprachen wurden endlich die Preise verteilt. Wer alle vier Wettfahrten gesegelt war, lag natürlich ganz vorne. Vom KaR wurden folgende Plätze belegt: 2. Simon Merz, 3. Annika Lüneberg, 4.FranziskaVoigt, 5. Erik Haferburg, 6. Fabian Abel, 7. Max Grenz,  8. Thilo Merz.

Annika-Oline und Adina bekamen auch noch einen Trostpreis. Außerdem erhielt jeder Teilnehmer ein Erinnerungs-T-Shirt. Es folgte die offizielle Verabschiedung mit Wimpeltausch und danach ging es zum Gruppenfoto vor das WSF-Bootshaus. Kurz vor unserer Abfahrt konnten sich alle noch mal richtig den Bauch mit Grillwürstchen vollschlagen. Während wir 400 Km Autobahn nach Berlin vor uns hatten, sollten die anderen Kinder über die Schlei in den SSC geschleppt werden.

Die Rückfahrt verlief problemlos und wir kamen gut voran. Um 19.30 landeten wir planmäßig im KaR und wurden im strömenden Regen von vielen Eltern begrüßt. Nach einer schnellen Entladeaktion saßen wir noch bei Kuchen und Saft zusammen und berichteten von unseren Erlebnissen.

 Wenn man vom Wetter absieht, war es ein tolles Wochenende. Alle Teilnehmer haben zum Gelingen dieser Reise beigetragen. Durch ihr gutes Verhalten an Land und ihre seglerischen Leistungen auf dem Wasser, wurde ein positiver Eindruck bei unseren Gastgebern hinterlassen und die Jugendabteilung des KaR würdig vertreten.

Unseren Segelkameraden von der Schlei danken wir für die Einladung und den angenehmen Aufenthalt an ihrem Segelrevier. Wir waren sehr beeindruckt von der Gastfreundschaft, die uns zuteil wurde und sind gerne wieder dabei, wenn im nächsten Jahr das Opti-Camp 1999 ansteht.

Ein weiterer Dank gilt den Eltern für das entgegengebrachte Vertrauen und die tatkräftige Mithilfe beim Be- und Entladen, sowie den Kindern für ihr vorbildliches Verhalten und ihren sportlichen Einsatz für den Klub am Rupenhorn.

Die Reise wurde mit Geldmitteln der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg und einem Eigenanteil von Kindern und Betreuern finanziert. Im Klub am Rupenhorn wird zur Zeit über ein Gegenbesuch im Winter nachgedacht, denn auch in der kalten Jahreszeit könnte unseren Norddeutschen Freunden aus Schleswig ein Besuch in Berlin viel Freude bereiten. Wir haben erlebt, daß ein Jugendaustausch das Vereinsleben aktivieren kann. Mit den Erfahrungen der Älteren und deren Unterstützung und Anerkennung der Kinder und Jugendlichen werden wir immer genug Nachwuchs im Klub haben, der bereit ist sich  zu engagieren.

Teilnehmer: Annika Lüneberg, Franziska Voigt, Annika-Oline Großmann, Adina Pannicke, Thilo Merz, Simon Merz, Max Grenz, Fabian Abel, Erik Haferburg

Betreuer: Verena Immler, Dirk Piechowiak, Frank Lüneberg

  Dirk Piechowiak, Frank Lüneberg im November `98

 

 

 

 

Optis

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